The end of a long, loyal journey

Es ist nun ziemlich genau 20 Jahre her. Das D-Netz war noch frisch, und die ehemaligen Nutzer des C-Netzes konnten den Luxus kaum glauben, dass die Anrufer nicht mehr wissen mussten, in welcher Funkwabe sie sich befinden, um die koffergroßen C-Netztelefone klingeln zu lassen. Der pure Luxus war eingekehrt: Die damals liebevoll genannten „Knochen“ waren trotz neuer D-Netz-Technik immer noch ein Luxus, den wenige hatten. Richtig teuer. Wir reden hier nicht von den heute üblichen 20 Euro Grundgebühr im Monat, sondern 90 aufwärts. Ups… habe ich da damalige DM mit heutigem Euro gleichgesetzt? Ja. Gewollt.

Alleine hätte ich mir das Ding damals als Student mit Nebenjob natürlich nicht leisten können.  Ich hatte aber den Vorteil, an den Veranstaltungen meines ehemaligen Mitbewohners mitgewirkt zu haben, und ein Handy war nunmal effektiver als ein Funkgerät.

So kam der Keng also verdammt früh zu so einem Ding, was von der Handbarkeit doch noch weit von den Kommunikatoren der Enterprise ca. 25 Jahre zuvor entfernt war. Der Akku reichte gerade mal für eine Veranstaltung, also einen Abend, und dann durfte man nicht allzu viel telefonieren. Wollte man sowieso nicht bei Minutenpreisen von um die 2 DM. SMS… hm… ich glaube, das Handy war „SMS ready“, bin mir aber nicht mehr sicher. Auf jeden Fall habe ich mit meinem ersten Handy nie eine SMS geschrieben, das weiß ich genau. Nur telefoniert. Kaum vorstellbar heutzutage. Und man versteckte sich noch hinter Pfeilern, wenn man telefonieren wollte. Denn es war durchaus peinlich, in der Öffentlichkeit mobil zu telefonieren.

Und es war ein Nokia.

Schade, ich habe keine Ahnung mehr, welches Modell es war. Und es scheint auch so alt zu sein, dass ich im Internet kein Foto gefunden habe. Apropos Internet: Das war damals noch sehr ominös, und ein paar naturwissenschaftlichen Studenten vorbehalten (u.A. ich! *muaha*), die sich gerade fragten, wo denn nun der supi dupi Unterschied zwischen dem alten Gopher und dem neuen WWW ist, welches erst vor wenigen Monaten vom CERN released wurde. Der Unterschied war damals tatsächlich noch nicht wirklich erkennbar. Und während Microsoft erste Gehversuche mit 16bit-Fenstern auf Windows 3.0 machte, ging X-Windows auf den fetten Workstations mächtig gut ab.

Wie Ihr Euch denken könnt, haben aktuelle Handys mehr Rechenleistung, als solch eine Workstation. Aber damals wars kuhl! Schließlich war es gerade mal schätzungsweise 6-7 Jahre her, dass ich an meinem letzten Lochkartencomputer gesessen habe.

Ich habe jetzt nicht so genau die Entwicklung des Mooreschen Gesetzes verfolgt, aber für einen, der das hautnah miterlebt hat, war die damalige Technikexplosion nicht vergleichbar mit heutiger Entwicklung. Das fühlt sich im Moment eher träge an. Im Gegenteil wird man eher zum Erwerb neuer Hardware durch Marketingstrategien gezwungen, indem künstliche Blockaden und Unterstützungslöcher in der Software geschaffen werden, als dass man tatsächlich neue Hardware bräuchte, und die sich quantensprungartig im Leistungszuwachs lohnen würde.

Aber so weit weg von Handys wollte ich gar nicht hier in dem Artikel.

Nokia Handys hatten seit jeher etwas besonderes. Immer wieder neue Features, neue Ideen, und das für einen erschwinglichen Preis. Ich konnte mir eigentlich immer das dann aktuelle Flaggschiff von Nokia sichern, und ich bin immer gut damit gefahren. Dadurch hatte ich auch mein erstes sogenanntes Smartphone lange bevor die sektenartigen Jünger auf den Apfelscheiß abgefahren sind. Und was soll ich sagen? Es konnte damals schon Flash.

Ich war jahrelang Nokia treu, denn ich konnte mich auf Qualität, Funktion und Innovation verlassen. Und nicht nur mir ging es offensichtlich so, denn die dominierende Marktstellung von Nokia kam bestimmt nicht per Zufall. Ich brauchte gar nicht bei anderen Herstellern nachzuschauen, da ich mir sicher war, dass sie nicht das im Angebot hatten, was ich in dieser Kombination haben wollte. Natürlich habe ich diese Aussage regelmäßig überprüft, und nahezu 20 Jahre kam ich immer wieder zu dem selben Ergebnis: Nokia wusste genau, was ich wollte.

Und sie hatten immer früh den richtigen Riecher, in welche Richtung die Reise gehen sollte. So taten sie sich mit  anderen großen Handyherstellern zusammen, um Symbian ins Leben zu rufen. Sony Ericsson, Motorola, Panasonic, Siemens und Samsung. Symbian sollte ein Handy-Betriebssystem werden, Unix-basierend, welches herstellerübergreifend auf den meisten Smartphones zum Einsatz kommen sollte. Damit wollte man Standards schaffen, Kompatibilität, Transparenz, Interoperabilität und vor allem langjährige Beständigkeit.

Das funktionierte bei meinen Symbian-Handys von Nokia perfekt. Es gab eine schier unglaublich große Anwendungsfülle. Wenn es ein Programm für ein Handy gab, dann gab es das auch und meist zu allererst für Symbian.

Nein, lieber Smartphoneuser von heute, die Zeit kennst Du eventuell gar nicht, auch wenn sich das heutzutage sehr bekannt anhört. Denn Smartphones waren damals alles andere als Massenware. „Guck Dir den Geek an mit seinem Laptop im Hosentaschenformat!“ Insofern dürfte die große Zeit von Symbian an den meisten Handybesitzern vorbeigegangen sein.

Natürlich hört sich das so an, wie iOS oder Android heute. Und in der Tat, das war es auch. Nokia und seine Partner hatten eigentlich voll ins Schwarze getroffen.

Aber dann kam der Bruch: Nokia hatte an Symbian 50% und kaufte den Rest auf. Ich habe keine Ahnung, was sie da geritten hat, aber es war falsch. Denn Symbian erhielt nicht die Produktpflege von Nokia, die es benötigt hätte, und sowohl Apple als auch Google drückten es mit Leichtigkeit an die Wand.

Als ich vor 2 Jahren mein letztes Nokia Handy bekommen hatte, war es noch problemlos, wenn auch nicht mehr ganz so einfach, alle Programme dafür zu bekommen, die ich haben wollte. Aber es diente mir 2 Jahre lang sehr gut, ein wirklich tolles Handy das N97 mini. Aber nun stand das zweijährlich neue Handy an, und Nokia war leider (wirklich leider! Ich mochte Nokia sehr) keine Diskussion. Apple ebensowenig für mich. Wer will schon Windows auf seinem Handy haben?!? Es reicht mir, dass es auf dem Desktop Standard ist. Ich muss nicht dazu mithelfen, dass es das auch auf Handys wird. Aber so sieht es ja zum Glück nicht aus, als ob es das in naher Zukunft würde. Nokia hat zwar jüngst wieder ein Symbian Handy herausgebracht, aber ich frage mich immer noch, wieso. Symbian ist tot in der Weiterentwicklung und breiten Unterstützung. Und über das geschlossene Blackbox-System von Apple brauche ich mit Sicherheit nicht zu reden. Also Android.

Dank der Politik vieler Handyhersteller, die eher stiefmütterlich mit Updates umgehen und es nicht verstehen, warum sich Leute nicht nach 6 Monaten ein neues Handy kaufen möchten (es sei denn, man ist L. Ron Jobs Jünger und findet ein „S“ mehr am Namen ein ausreichendes Argument für einen Neukauf) statt einfach das System auf den neuesten Stand zu bringen, blieb auch da eigentlich nur die Google Referenzimplementation: Das Nexus. Danke an Junior an dieser Stelle für die Beratung.

Abgeholt von der Post und natürlich gleich damit rumgespielt. Mein erster Gedanke war: „Ja, das hätte Symbian sein können, so wie ich dachte, dass es sich weiterentwickelt.“

Ich möchte jetzt gar nicht auf die Applikationen eingehen, denn das ist das, was ich mit der Entwicklung der Leistungsfähigkeit und Sensorik neuer Handys erwarte. Das ist nichts Android spezifisches, das hätte auch auf Symbian passieren können. Nur dort leider fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und welcher Applikationsprogrammierer macht sich die Arbeit schon für ein Privatpublikum. Aber die Verfügbarkeit und Vielfalt unter Android ist grandios. Genau das, wie es bei Symbian mal war. Insofern habe ich meine Linie wieder gefunden.

Man musste kein Hellseher sein, um den beispiellosen Sturzflug von Nokia vorherzusagen. Vor über einem Jahr habe ich schon „bye bye Nokia“ gesagt, und die jüngsten Berichte über Nokia bestätigen mich mehr, als ich das jemals gedacht hätte. Schade. Denn ich mochte Nokia.

Es waren schöne 20 Jahre, vielen Dank für wirklich tolle Handys! Selbst mein letztes Nokia ist immer noch toll! Aber den aktuellen Rotz und Eure runderneuerte Firmenpolitik könnt Ihr behalten.

Hei Hei!

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