Persönliches Logbuch Keng – Sternzeit 86434.4499

Ich befinde mich an Bord der Zuul in meinem Quartier. Cmdr. Letagg führt das Schiff sehr gut, auch ohne mich. Admiral Cole wird als ehemaliger Borg nach effizienten Gesichtspunkten urteilen, und daher ist es logisch, dass er Cmdr. Letagg nicht zur Rechenschaft ziehen wird für Dinge, die ich tun werde, da er bestmöglich und im effizientesten Sinne für das Schiff, das Geschwader und unsere Mission handeln wird. Es verbleibt ein Restrisiko von 32.2%, dass sich Admiral Cole von seinen Emotionen leiten lässt bei einer Urteilsfindung. Aber die Chance, dass sich hieraus ein als negativ anzusehender Zustand bilden wird, liegt bei unter 1%. Daher ist es nun akzeptabel für mich, mich zurückzuziehen, und eine begrenzte Zeit meinen eigenen Weg zu gehen. Es ist der einzig logische in dieser Situation, und dies zwingt mich, ihn zu beschreiten.

Es bleiben noch Restrisiken bezüglich meines kürzlich erworbenen und wieder verlorenen Postens im Geschwader. Diese stehen aber außerhalb meiner Macht, ich kann insofern nicht darauf einwirken, dass das Geschwader derzeit ohne Sicherheitschef ist. Es war nicht mein Wunsch, des Postens enthoben zu werden, jedoch hätte dies Admiral Cole bedenken müssen, als er mich suspendiert hat.

Ausdrücklicher Aktenvermerk: Ich habe Admiral Cole bei der Suspendierung mitgeteilt, dass ich sie nicht für akzeptabel halte.

Es wäre unlogisch, der Sternenflotte verfrüht davon Bericht zu erstatten, da es Admiral Cole schaden würde und unserem gemeinsamen Ziel nicht dienlich wäre.

Nach dem Einsetzen meines zweiten Implantates ist nichts mehr wie vorher. Meine Eltern sind mit meinen telepathischen Fähigkeiten zurückgekehrt. Aber um den Preis jeder Emotionalität, wenn ich den Medizinern glauben kann. Da anscheinend ein großer Teil meines Selbst brach liegt, ist es mir noch nicht einmal möglich, mich an meine sogenannten Gefühle aus der Zeit davor zu erinnern. Es ist, als wäre da nie etwas gewesen. Daher kann ich es auch als Konsequenz nicht vermissen. Es ist logisch, wenn da etwas war, was ich natürlich in Frage stellen muss, dass mir nahe stehende dies vermissen.

Aber für unsere Aufgabe kann ich auf persönliche Dinge keine Rücksicht nehmen. Zumal sie mir nichts bedeuten. Oder, wenn ich den Aufzeichnungen glauben darf, nicht mehr. Sollten die Aufzeichnungen stimmen, und daran gibt es keinen logischen Zweifel, haben mich meine für einen Vulkanier sehr offenen Emotionen fortlaufend in Schwierigkeiten gebracht. Zuletzt musste Admiral Cole mir zur Hilfe eilen, als ich stark alkoholisiert auf DS9 war. Ich kann dem Geschwader und damit unserer Aufgabe nur dienen, wenn ich mich im Griff habe. Daher ist es ein logischer Schritt, das Ritual zu vollenden.

Ich sprach vor wenigen Augenblicken mit dem Hohepriester Gols auf Vulkan. Meine bereits investierte Studienzeit wird zum größten Teil anerkannt. Ich werde mich also nach meiner Rückkehr direkt nach Tai-La begeben können. Ich habe seit 5 Jahren keinen Urlaub mehr genommen, daher liegt die Wahrscheinlichkeit, dass mir insbesondere nach der Operation und der damit verbundenen zerebralen Kompromittierung ebenso wie der Suspendierung dieser nun verwehrt wird, bei unter 1%. Die Betrachtung einer nicht vorhandenen Rahmenbedingung, der Anwesenheit von Amiral Cole, welche diese Prozentchance drastisch erhöht hätte, schließe ich aus.

Um Cmdr. Letagg nicht zu involvieren, werde ich ihm Sternenflottenregeln aufzählen, die er noch nie gehört hat. Und ich auch nicht. Er wird sie mir mit einer Wahrscheinlichkeit von 98.2% glauben und sowohl mich zum Vulkan bringen, als auch die Missionen der Zuul fortzusetzen, ohne weitere Fragen zu stellen. Es ist der einzig logische Weg.

Wenn alles gut geht, werde ich schon bald auf die Reise gehen können, um meine emotionalen Erinnerungen abschließen und mit mir selbst in einen Zustand logischer Reinheit eintreten zu können. Ich werde Admiral Cole besuchen und kann nur hoffen, dass er mich versteht. Und mir verzeiht. Aber darüber sagt mir meine Logik nichts aus. Ich kann nur hoffen, dass diese, meine Entscheidung nicht nur für mich, sondern für uns alle die richtige ist.

Die Zeit der Wahrheit ist bald angebrochen für mich.

Keng, Ende.

Nachtrag: Gestern Abend habe ich das erste Mal gegen Cmdr. Letagg im Pokern gewonnen. Laut seiner Aussage weiß ich anscheinend nun, was ein Pokerface ist. Dies ist mir nicht bewusst, aber es war faktisch von Erfolg gekrönt.

Taken from: Logbücher des 82. Omega Geschwaders

Habe ich eigentlich schonmal erzählt, dass ich ziemlich geiles Rollenspiel in Star Trek Online habe?

Wer nicht googlen will: Es handelt sich bei dem angesprochenen Ritual um das Kolinahr, quasi dem Abwerfen und Entsagen sämtlicher Emotionen eines Vulkaniers.

Eigentlich habe ich nach der Beta nicht viel über STO erzählt hier. Aber ich habe es gespielt. Ich habe es zum Maxlevel gespielt, und ich habe viel RP gemacht. Und ich spiele es immer noch. Obwohl es viele tot schreien. Dafür ist aber noch ganz schön viel los im Alpha- und Beta-Quadranten, und es hat eine immens schnelle Entwicklungskurve. Kein anderes Spiel, was mir bekannt ist, hat so viel Content in so kurzer Zeit rausgehauen und das in einer solchen Qualität und orientiert an dem Bedarf, der herrscht.

Aber darum geht es mir noch nicht einmal. Ich habe noch keine der Endgame-Missionen gemacht, ich habe sogar noch ein paar der normalen Missionen offen. Und doch spiele ich es. Und das gar nicht mal wenig.

Das hat zwei Gründe:

  • Das Spiel schreit an jeder Ecke „RP here“. Das ist so krass! Es gibt ganze Planeten, auf denen keine einzige Mission stattfindet (Vulkan, Risa etc.), die einzig und alleine für die Immersion da sind. Man kann seinen Character anpassen nach einer entsprechenden Begebenheit, so hat Keng jetzt eine ziemlich eklige grüne Narbe am Kopf. Man kann sich einen Dienstgrad unterhalb seines eigentlichen spieltechnischen Levels geben (klar, es wäre sinnfrei, wenn jeder als Admiral herumlaufen würde), und und und. So viel, wo nachgedacht wurde, wo Trekkies ganz offensichtlich das Designteam beherrschen.
  • Und ganz wichtig: Die Leute, die ich dort getroffen habe, mit denen ich RP mache. Allgemein ist die RP-Community sehr angenehm. Fast keine RP-Polizei, fast keine Trekkie-Nerd-Exzesse („aber das hättest Du wissen müssen, das steht auf Enterprise Taschenbuch Seite 68 links unten“). Ohne Leute läuft kein RP. Das ist ein Geben und ein Nehmen, ein aufeinander eingehen. Und da stimmt die Chemie grandios. Eigentlich seit Beginn unseres Plots entsteht fast alles spontan. Es ist die ein oder andere Idee da, ein Ereignis, eine Rahmenbedingung, was passieren könnte, und dann wird geschaut, was passiert. Jeder einzelne lässt sich von seinem Character treiben, und so entstehen viele unvorhersehbare Situationen. So soll das sein. Unser Plot geht seit fast drei Monaten, und ein Ende ist nicht in Sicht. Zum Glück.

Habe ich eigentlich schonmal erzählt, dass ich ziemlich geiles Rollenspiel in Star Trek Online habe?

Ja, ich weiß, ich habe bislang wenig über STO nach der Beta geschrieben. Das ist wahrscheinlich wie mit gutem Essen. Wenn es so richtig gut schmeckt, dann ist Ruhe am Tisch.

Ich speise gerade wie ein Fürst!



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