Immersion (virtuelle Realität)

Immersion ist ein Bewusstseinszustand, bei dem der Betroffene auf Grund einer fesselnden und anspruchsvollen (künstlichen) Umgebung eine Verminderung der Wahrnehmung seiner eigenen Person erlebt. Damit beschreibt der Begriff „Immersion“ – ähnlich der filmischen Immersion – im Kontext der virtuellen Realität das Eintauchen in eine künstliche Welt.

Wikipedia

Rollenspiele gibt es wohl schon ewig bei Menschen. Seien es Kriegsspiele auf einem Übungsplatz einer Armee oder Räuber und Gendarme als Kinder. Als dediziertes Spiel in den 70ern als Pen&Paper haben sie für mich begonnen. Das Eintauchen in die ausgedachte Welt war zwar schwer, aber durchaus lohnend. Während der Schule und beim Bund ging es dann weiter mit Pen&Paper, und auch später während des Studiums.

Aber mehr habe ich nicht wirklich gemacht, also keine LARPs oder ähnliche Dinge.

Dabei war ich schon immer jemand, der in einer ausgedachten Welt aufgehen konnte, der sich mit sowas richtig identifizieren konnte.

Sehr früh gab es bei Computerspielen die ersten, welche einem so etwas ähnliches vorgaukelten. Nun gut, „Adventure“ auf dem Atari VCS würde ich mal eher als „Anfang“ bezeichnen. Aber über diverse Spiele wurden die virtuellen Welten immer realistischer. Wobei, ganz ehrlich: Realismus braucht es noch nicht mal. Wenn ich mich an „The Bard’s Tale“ erinnere… Und wieviele Stunden habe ich darin verbracht! Ich will es gar nicht mehr wissen.

Aber es waren immer Singleplayer-Geschichten auf dem Computer, die mich in so etwas haben eintauchen lassen. Lange Zeit habe ich mich davor gesträubt, in MMORPGs am „offiziellen“ Rollenspiel teilzunehmen. Also damit meine ich, auf einen RP-Server/Realm/Shard zu gehen oder ähnliches. Kleine Rollenspieleskapaden habe ich natürlich gemacht, und rollenspielangehaucht versuche ich auch meine Character zu führen. Aber zu viele Horrorgeschichten habe ich gehört und bei meinen wenigen Besuchen selbst erlebt auf Rollenspielservern. Wie nennt mein Bruder sie immer? Die Lore-Polizei.

Bis zu diesem Wochenende. Als der STO-Server down war, und ein kleiner Keng beim Stöbern im offiziellen Forum den Thread mit den deutschen Chat-Kanälen fand.

Ja, down war der Server mal wieder. Nach 2 Wochen wirklich gut stabiler Betaphase, war der STO-Server über das Wochenende seit dem Headstart gefühlt mehr aus als an. Es gab sehr früh einen Patch, und seitdem merkte man richtig, dass die Stabilität gelitten hat. Instanzen laden ewig, Chat lagt, Server schmiert ab. Allerdings gehe ich davon aus, dass sich das Problem ebenso mit einem weiteren Patch beheben lassen wird, nur nicht am Wochenende. Das ist mir schon klar. Vor allem kurz vor Release. Manchen Heulern nicht, aber solche Hirnakrobaten verwundern mich sowieso nicht mehr.

In dem Thread stoße ich auf den Channelnamen „STOGermanRP“. Hmja… Logisch. Ein Server, und es wird unter Trekkies genug Rollenspieler geben, bzw. Leute, die so weit in diese Welt eintauchen wollen, wie es nur irgendwie geht. Also muss es so einen Channel geben, klar. Diesem beitreten kostet ja nichts.

Übrigens: Die anderen Channels lohnen sich ebenfalls, als Info für diejenigen, die vielleicht mal STO ausprobieren wollen. Danach kann man getrost den Zonenchannel ausmachen. Denn der Chat ist zwar weit über dem Niveau eines WoW oder sogar eines Aion, aber scrollt in einer Geschwindigkeit, wie man einfach nicht mitlesen kann, ohne dass man *nur* das macht.

Ich machte mir so meine Gedanken zu dem Channel. In anderen Spielen macht es wenig Sinn, einen globalen Channel als Rollenspielchannel zu deklarieren. Jedenfalls keinen in-character. Laut dem Posting soll dieser Channel auch nicht „konform“ beschrieben werden, aber wie sich bald herausstellte, wird er das. Es ist in solch einem Setting auch immens einfach, denn er wird einfach als der allgemeine Subraumchannel der Föderation benutzt, den jedes Schiff empfangen kann. Quasi wie der Taxifunk. Im Gegensatz zu den meisten Fantasysettings widerspricht ein globaler Channel *gerade* bei Star Trek also nicht der virtuellen Realität, sondern ist quasi sogar eine Notwendigkeit, da er vom Setting vorgegeben wird.

Wie ich oben schrieb, habe ich noch kaum Erfahrung mit Rollenspiel-Gepflogenheiten in Multiplayer-Spielen. Ich weiß, was richtig ist, und ich weiß, was falsch ist. Prinzipiell. Aber ich habe nie „das Handwerk“ erlernt, da ich es nie wirklich gemacht habe. Ich wusste also nur wenig über Gepflogenheiten, ungeschriebene Gesetze etc.

Also las ich erstmal eine Weile mit, wie man das so macht, wenn man eigentlich unerfahren ist.

Irgendwie war es schon geil. Da ist man Captain eines Sternenflottenschiffes und liest mit, was so in der Galaxis passiert. Und das nicht mit „Tauben <hier>“, „lfm dd sr m/u/o max 45“, „1kW Horde Zerg“, „icc10 gc>5K Südbank /w me“, sondern wie man sich das im Jahre 2409 so vorstellt. Wobei man sagen muss, also wirklich… ich kanns nicht oft genug wiederholen… der „normale“, also nicht Rollenspieler-Chat ist auch nicht durchsetzt mit sowas. Es gibt es, klar. Aber *verdammt* selten. Und damit meine ich: Eine handvoll am Abend.

Also der Channel gefiel mir schon sehr schnell. Aber ich war natürlich zu feige, mitzumachen. Ein paar Missionen geflogen, und immer nebenher gelesen.

Plötzlich sah ich meine Chance: Es ging um zwei befreite Borg-Weibchen, die ab Dienstag auf dem Schiff zweier Kommandanten ihren Platz finden sollten. Natürlich ist damit gemeint, dass am Dienstag Release ist, und somit die Codes für die Boni, also z.B. einen Borg als Brückenoffizier, bei den Leuten eintrudeln werden.

„USS Zuul hier, Leutnant Keng. Ich weise Sie darauf hin, Kollegen, dass für Ihre Besatzung der Zuwachs durch eine fremde Spezies mit einer Wahrscheinlichkeit von 93,5% einen Gewinn darstellt.“

Puh… meinen ersten… naja… Rollenspielsatz als Vulkanier geschrieben. Ob der ankommt? Spannendes Warten.

„Oh Mann, Ihr Vulkanier seid so witzig, wie ein Backstein in einem Backofen.“

„Warum sollte man einen Backstein in einen Backofen geben?“

„Damit er warm wird (lacht)“

Es kam an. Und es ging weiter. Über diskriminierte Borg (kein Rollenspiel ohne Rassismus! Grundregel!), von denen sich gleich mal eine in das Subraumgespräch eingeschaltet hat. Über Kaffee auf Uniformen, das Pon Farr (als Vulkanier: *sic*), und sogar noch über Klingonen, die die Frequenz abgehört haben und sich irgendwann nicht mehr halten konnten vor Lachen (Die Channel sind in STO fraktionsübergreifend, was aber auch bei dem Design der Fraktionen in Ordnung ist). Das ganze war sehr spannend. So spannend, dass ich dabei meine Missionen vergessen hatte.

In einer weiteren Session hatte ich ein schönes Rollenspiel, in dem ich mich mit meinem Gegenüber über Führungsstile für Raumschiffe, soziale Angelegenheiten der Crew und Poker unterhalten habe. Er machte sich über die Vulkanier lustig, und mein Char merkte es nicht. Genausowenig, wie sich seine Brückenmannschaft hinter ihm das Maul zerriss. Bis auf den 1. Offizier, der ist nämlich auch Vulkanier. Hier erwarte ich spannende Möglichkeiten von der begehbaren Brücke, und dass man Leute auf seine eigene Brück einladen kann. Dieses Feature ist bereits im Spiel. Ebenso soll in den nächsten Wochen und Monaten noch begehbare Schiffe sogar mit Kabinen hinzukommen, die man sich individuell einrichten kann. Mit Erfolgsmedaillien von Missionen und was weiß ich noch, was sich die Entwickler einfallen lassen werden.

Natürlich ist das jetzt nur eine Momentaufnahme von den paar Tagen. Aber es war angenehm und toll, keine Lore-Polizei unterwegs. Als Halb-Trekki, der noch die deutsche Erstausstrahlung gesehen hat *sic*, bin ich mit Star Trek aufgewachsen. Keine andere Erzählung, als die von Gene Roddenberry hat mich so sehr durch mein Leben begleitet. Umso leichter ist es, darin einzutauchen. Und da ich bisher in MMOs eher homöopatisches Rollenspiel betrieben hatte, könnte dies ein neuer, zusätzlicher und sehr spannender Aspekt dieses Spiels für mich werden.

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