Brot Gangnam Style

On 18. Oktober 2012, in It's me, Projekt Sixpack, by Keng

Sind Backwaren Luxuswaren?

Angeregt durch einen Bericht im Frühstücksfernsehen, habe ich mir mal Gedanken über meinen Backwarenkonsum gemacht. Der Bericht handelte vom Backhandwerk, und über die Unterschiede zwischen Backwaren aus dem Supermarkt und der Bäckerei.

Sehr spannend, denn ganz so eindeutig wie bei Tieren mit dem freilaufenden Roggen oder Weizen in Bodenhaltung ist das hier irgendwie nicht.

Brot ist ja irgendwie gefühlt ein Grundnahrungsmittel. Was kann daran schon Luxus sein? So albern es sich auch anhört, aber seit dem Bericht im Frühstücksfernsehen habe ich wirklich viel über meinen Brotkonsum sinniert. Praktischerweise hat zur Anregung auch noch bei uns im Nebenhaus ein neuer Bäcker aufgemacht, nachdem der alte wohl pleite gegangen ist.

Perfektes Timing.

Mein Verständnis und Verhalten zu Brot hat sich über die Zeit meines Lebens selbstverständlich stark geändert. Begonnen natürlich früher bei meinen Eltern, als mein Vater immer Roggen-Misch-Brote bei unserem Stammbäcker gekauft hat.

Ich mag etwas dunkleres Brot, feste Kruste, und schön frisch-weich innen. Und ich hatte Brot immer so verstanden, dass es sowas wie eine Sättigungskomponente ist. Nie zu viel Wurst oder Fleisch zu zu wenig Brot!

Während der Bundeswehrzeit brauchte ich da auf nichts zu achten, da konnte man ja in vielen Dingen abschalten. War sehr angenehm. Ich war rank und schlank, etwas sportlich, 69kg bei 1,72m. Cool! Im Studium dann, als ich anfing, mir mein Essen selbst zu besorgen, fing ich natürlich mit dem mir bekannten Roggen-Misch-Brot bei unserem Stammbäcker an. 3,80 DM, wenn ich mich richtig erinnere. Stolzer Preis! Das hielt natürlich als Student nicht lange vor, wenn man erstmal merkt, dass der HL um die Ecke (ja, damals gab es die noch) das ungleich billiger hat. Und da Brot ja sowieso nur eine ungeliebte Sättigungskomponente ist, wie ich mir ja immer gedacht habe, ist das auch nicht so wichtig, dass es schmeckt.

Also das billige Supermarktzeugs geholt, so viel schlechter als beim Luxusbäcker war das nun wirklich nicht.

Dann kam die Zeit, in der ich ordentlich an Gewicht zugelegt habe. Unwissend, wie ich zu diesem Zeitpunkt war, dachte ich immer, die Wurst und das Fleisch sei das Böse, und das Brot das Gute. Klar: Das, was viel besser schmeckt (bin eben ein Fleisch/Wursttyp), muss ja das Böse sein. Also fing ich an, um abzunehmen, hauptsächlich Brot zu essen, damit ich satt bin, und nicht viel anderes esse.

Haaaahahaha! Ja ja, lacht nur. Mittlerweile weiß ich, dass das hochgradig albern war. Und zudem noch völlig kontraproduktiv. Brot: Kohlenhydrate -> hoher Insulinspiegel und Ablagerung in Fettpolstern. Also genau das, was ich ja eigentlich überhaupt nicht wollte. Und ich will nicht wissen, wieviel Kilo meiner ehemaligen Maximalausdehnung auf dieses Konto der Unwissenheit gehen.

Es kam ja aber dann die glückliche Zeit, in der ich Projekt Sixpack (okay, am Anfang hieß es noch „Projekt brauch keine 2 Plätze im Bus“ *seufz*) anging. Und seitdem habe ich natürlich einiges über Ernährung gelernt und umgesetzt. Klar, Vollkornbrot wäre das beste für das Projekt, aber es geht nunmal echt nicht an mich. Ich habe es probiert! Und aufgegeben. Ehrlich, ich fand Müsli z.B. immer widerlich, aber mittlerweile esse ich sogar das sehr gerne. Jetzt müsste ich nur noch öfter Frühstücken, aber immerhin. Nur Vollkornbrot schafft es eben noch nichtmal in den Status „najaaaaa, okay…“ Dann muss das Projekt auch ohne Vollkornbrot gehen. Wird schon. Gibt ja genug Hebel. Und immerhin liebe ich Mehrkornbrot. Ein guter Kompromiss, wie ich denke.

Mein Brot hole ich grundsätzlich im Supermarkt. Preistraumata an unseren oben erwähnten ganz alten Bäcker (den es schon lange nicht mehr gibt) hielten mich bislang erfolgreich von jeder Backstube fern.

Apropos Backstube, um wieder auf den Beitrag im Frühstücksfernsehen zurückzukommen: Da wurde plädiert, dass man wieder viel mehr in der Backstube kaufen soll. Beim echten Bäcker! Denn… ja… ich habe den ganzen Beitrag darauf gewartet, warum.

Vor allem: Was meinen die mit echtem Bäcker?

Der Bäcker, der in unserem Nebenhaus zugemacht hat? Oder der, der in unserem Nebenhaus diese Woche aufgemacht hat? Nein. Ich glaube nicht. Tut mir leid, das sind keine richtigen Bäcker. Das sind Ladenlokale, die Backwaren verkaufen, die aus einer größeren Backstube morgens angeliefert werden mangels eigenem Backraum. Und die Brötchen in einem kleinen Ofen aufbacken. DAS kann ich in jedem Supermarkt haben! Im Supermarkt sogar oft mit frisch gebackenem statt angeliefertem Brot.

Unser ganz alter Bäcker hatte eine Backstube. Wenn ich morgens ganz früh an dem Laden vorbeikam (jaja, ich gebe es zu, es war meistens eher der Heimweg, anstatt der Weg irgendwohin…), war im hinteren Bereich des Ladens Licht. So, wie man sich das vorstellt. Das war ein richtiger Bäcker! Und solch ein Bäcker wurde auch in dem Beitrag im Frühstücksfernsehen vorgestellt.

Aber: Ich warte immer noch auf den Grund, warum man da einkaufen soll. Was das bringt, was man gutes dabei tut und die Ungerechtigkeit auf der Welt damit ein klein wenig reduziert. Warum man sich wie ein richtig guter Mensch fühlen soll, wenn man beim Bäcker für den Supermarktpreis von drei Broten nur eins bekommt. Die Frage stellte der Reporter auch der Bäckersfrau in dem Beitrag. Darauf kam ein Gestammel mit „geheime Rezepte“ und „spezielle Zutaten“. Das hake ich mal unter „Geschmackssache“ ab. Ich habe kein einziges Alleinstellungsmerkmal gehört, was mich dazu bewegen sollte, den doppelten oder dreifachen Preis zu zahlen.

Also ich bekomme auch nicht einfach Geld dafür, dass ich da bin! Und weil ich ich bin, bitte 2-3 Mal mehr als andere!

Klar kann man sich jetzt bestimmt etwas an den Haaren herbeiziehen: Von wegen der Bäcker in der Nachbarschaft kauft ja das Mehl beim Bauern aus dem Umland und solches Zeug. Aber sorry, der Großbäcker vom Supermarkt kauft seine Körner auch nicht von Betrieben, die Weizen und Schrot misshandeln.

Ein Produkt, das es einmal in billig und einmal in teuer gibt, muss also in der teuren Version eine Luxusvariante sein. Und damit muss es definitiv Gründe geben, warum man dieses anstelle des billigen kaufen sollte. Oder zumindest der Service drum herum. Das sehe ich jetzt irgendwie nicht beim „normalen“ Bäcker.

Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag nach dem Frühstücksfernsehen Bäcker-Betroffenheitstbeitrag um Brot. Luxusartikel. Ganz offensichtlich. Aber Grundnahrungsmittel. Irgendwie.

Wie war das eigentlich mal vor der industriellen Revolution? Da war Brot ganz bestimmt kein Luxus. Denn die Bauern und normalen Bürger machten es selbst. Klar.

Moment…

Und in diesem Moment geschah ein Wunder (stellt Euch hier jetzt so dramatische Harfenmusik vor):

Auf meiner Facebook-Timelime tauchte just an diesem Tag ein Posting vom guten Rach auf. Logisch, Brot selbst backen. Das kann jetzt nicht sooo das Problem sein. Nachdem ich im Zuge des Projekts Sixpack sowieso immer mehr von Fertigkram weg komme, geht es da einfach weiter. Ja klar, das da ist auch noch eine Brot Fertigbackmischung, aber es ist trotzdem mehr „selbstgemacht“, als die Aufbackware aus dem Supermarkt.

Also es geht mir jetzt nicht um die 79 Cent, die konkurrenzlos günstig sind. Sondern alleine um das konsequente Weiterspinnen der Brotgedanken. Und das werde ich definitiv probieren.

Ich habe mir auch mal den Spaß gemacht, Tante Google nach Brotrezepten zu fragen. Das hört sich alles völlig undramatisch an. Also da ist Marcels Bolognese komplizierter und aufwändiger! Wobei diese auf meinem Herd auch schon diverse Evolutionsstufen durchgemacht hat.

Aber erstmal mit der Backmischung anfangen. Das dürfte sicheres Terrain sein. Und dann mal den Teig selbst machen. Und dann mit dem Rezept rumspielen.

Das kann zwar in die Hose gehen, aber ich glaube eher das Gegenteil wird passieren.

Hach, und dann brauche ich auch kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, dass ich nicht beim „echten“ Bäcker kaufe. Ganz davon abgesehen, dass mir hier in der Umgebung kein einziger „echter“ Bäcker einfällt…

War da nicht auch mal was mit einem anderen Getreideprodukt? Bier selbst brauen? Marcel hatte davon ja mal was erzählt, dass er das ab und an macht. Gut, den sehe ich ja hoffentlich am Wochenende.

 

2 Responses to Brot Gangnam Style

  1. Marcel sagt:

    Welcome to the wonderful world of „selbstgemacht“. Brotbacken ist wirklich keine Hexerei, und wenn du liep bist, dann braue ich uns eine leckere Gerstenkaltschale für Silvester 😉

  2. Brot sagt:

    Dieser Artikel verwirrt mich. Auf so vielen Ebenen…

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