Von Kickapoo nach Mikela Isle

On 21. Februar 2012, in Second Life, by Keng

So schnell können sich Dinge ändern. Der letzte Beitrag meiner Second Life Reihe liegt gerade mal 3 Wochen zurück, und schon ist er in mindestens einem Punkt nicht mehr aktuell. Welcher das ist, erfahrt Ihr ein paar Zeilen später.

Das Dumme ist nur, jetzt ist es schon etwas mehr her, denn den Satz gerade habe ich bereits vor über einem Monat geschrieben. Wie eigentlich einen Großteil dieses Artikels. Nur hatte er mir nicht ganz gefallen, daher habe ich ihn erstmal zurückgestellt. Und Ihr wisst, wie das mit aufgeschobenen Sachen ist…  Sei es drum, hier ist er nun, frisch überarbeitet!

Ich passe den Titel mal ein wenig an, das wird sonst ein wenig zu eintönig. Ich denke: in Anlehnung an die Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer Hörspiele passt das ganz gut. Sind Puppen nicht auch einfach nur Avatare, nur nicht in einer virtuellen Welt?

Ebenso werde ich voraussichtlich mehr Orte-, Leute- und vor allem Geschichten-orientiert schreiben. Das schließt natürlich keine weiteren technischen Erklärungen aus, aber das sollte dann (zumindest werde ich es versuchen) aus dem Kontext hervorgehen und nicht wie die letzten 6 Beiträge meiner SL-Reihe dem Beschreiben der Grundgerüste der Welt dienen. Ein Beispiel, das Ihr bald hier lesen werdet: Wie geht der Keng zum Friseur, wenn er in die Oper will? Das wird natürlich nicht mit Kamm und Schere passieren, sondern mit einem ausgewachsenen 3D-Editor. Aber fangen wir mit Kickapoo an nach dem weiterlesen…

Wie Ihr Euch sicher denken könnt, gibt es viele Wege, wie man Second Life beginnen kann. Einer ist aber definitiv der falsche, und er wird nicht von Erfolg gekrönt sein: „Mir ist langweilig, ich will bespaßt werden. Los macht mal!“

Man erstellt einen Account, lädt den Client herunter, steht dann urplötzlich im Chaos, und denkt sich: „Und nun?“

Wer sich nur bespaßen lassen will, sogar völlig ohne die Notwendigkeit zu sehen, das in irgendeiner Form selbst anzustoßen, für den ist an dieser Stelle die Reise zu Ende und er hat immerhin 15 Minuten etwas zu tun gehabt.

Von hier aus gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder man fühlt sich total verloren und hat keine Idee, auf was man mal Lust hätte. Oder man wird vollgekleistert mit Werbung und resigniert ob der Menge und Unübersichtlichkeit. Spätestens resigniert man aber dann, wenn man der Werbung nachgeht. Entweder landet man in einem hässlichen Ramschladen nach dem anderen, oder wird nach Strich und Faden abgezockt und ist dann aus verständlichen Gründen raus aus der Nummer. Wobei ich damit absolut nicht ausdrücken will, dass Leute, die bespaßt werden wollen, falsch in SL sind. Aber sie müssen ein bisschen Vorarbeit machen, dürfen sich nicht ganz auf die faule Haut legen oder den sofageformten Hintern setzen und berieseln lassen, wenn sie nicht jemanden mit ihren Interessen finden, der mit ihnen durch die Gegend tourt. Wenn man mal ein bisschen Gespür hat, wie der Hase läuft, dann ist es nämlich durchaus leicht, Orte und Events zu finden, die einen damit berieseln, was man gerne haben möchte.

Ich kenne einige, die „SL, so nen Scheiß!“ sagen, weil sie es genau so erlebt haben. Eventuell noch damit garniert, dass man Suchfunktionspech hatte, und von einer toten Region in die nächste teleportiert. Denn: Natürlich gibt es auch „verlassene Randbezirke“, wie ich das mal ausdrücken will. Die Slums des Grids. Wo sich Bit und Byte fürchten „Gute Nacht“ zu sagen, weil man ja nie weiß, was in düsteren, verlassenen Geisterstädten so alles lauert. Die sogar bei Wartungsarbeiten für den regelmäßigen Neustart vergessen werden, und sich so durch völlig undurchschaubare Bugs düstere Programme entwickelt haben, die weit jenseits der Vorstellungskraft jedes menschlichen Albtraums erst anfangen, das Grauen über harmlose Opfer, die sich hierher verirren, hereinbrechen zu lassen.

Boah, Schmarrn. Natürlich nicht. Mir war nur gerade danach. Aber es wäre doch eigentlich ziemlich kuhl, wenn es so wäre, oder?

„Da ist ja alles tot und leer!“ habe ich so verdammt oft gehört, und auch die meistens leider sehr subjektiv mit einer Intention geschriebenen Berichte über Second Life bringen das oft als Kritikpunkt. Und ja, es stimmt, es gibt mit Sicherheit mehr Regionen, die einfach völlig verlassen sind, als es bevölkerte gibt.

Aber: Das heißt ja nicht, dass die belebten Regionen deswegen doof sind. Nur muss man mit der Zeit ein Gespür dafür entwickeln, was lohnend ist und was nicht. Hilfreiche Instrumente sind in der Suchfunktion zum Beispiel die Traffic-Anzeige oder die Art der Beschreibung. Zu viel Traffic zeigt oft eine Spam/Bot-Region, und Traffic unterhalb des Traffics der Mondoberfläche wird immerhin für schöne, einsame Fotoaufnahmen genügen. Mit der Beschreibung sieht man zum Beispiel, ob sich da überhaupt Mühe gemacht wurde, etwas zu beschreiben. Wie gesagt, man entwickelt da mit der Zeit ein Gespür für. Ganz davon abgesehen: je mehr Kontakte man knüpft, umso mehr Empfehlungen bekommt man natürlich, wo sich kleine Perlen und versteckte Großartigkeiten finden lassen. Und die gibt es wirklich zuhauf.

Es gibt aber noch mehrere andere Möglichkeiten des Starts. Die eine ist: Lass Dich von einem Bekannten an die Hand nehmen. Den Service gibt es natürlich sogar auch kommerziell in Second Life, oder auch oft kostenlos als Newbie-Kurse, aber die muss man als Neuling natürlich auch erstmal finden. Als Anlaufstelle ist hier glaube ich das virtuelle Köln ganz gut (und vor allem in Deutsch), auch wenn ich das selbst nie ausprobiert habe. Die andere Möglichkeit ist die, die ich gewählt habe: Erstmal an den Straßenrand gestellt, zugeschaut, nachgelesen, und dann die Welt nach und nach auf eigene Faust mit Entdeckerdrang erkundet. Mit Sicherheit ein aufwändiger Weg, der auch einige Eigenkreativität erfordert. Und zwar nicht im schöpferischen Sinne, sondern eben eine Antwort auf die Frage „Und nun?“ zu suchen und zu finden. Es gibt leider viele Menschen, die dies nur selten für sich schaffen.

Ich muss zugeben, es gab etwas, was die ganze Sache für mich sehr vereinfacht hat. Zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Account erstellt habe, gab es ein Werbeangebot von Linden Labs, sodass man einen Premiumaccount zu einem absoluten Spottpreis für ein viertel Jahr machen kann.

„Ey, Du hast aber gesagt, SL ist kostenlos! Also es sei denn, man bezahlt andere für Dienstleistungen oder Gegenstände.“

Ja, richtig. SL ist kostenlos. Aber es gibt auch Premiumaccounts, die kosten dann etwas und bieten zusätzliche Leistungen. Mit einem Premiumaccount erhält man 512m² Mainland, auf dem ein fertiges, unmöbliertes Haus steht (wobei man dazu sagen sollte, dass sich diese 512m² eher wie 51m² im echten Leben anfühlen). Außerdem erhält man pro Woche (ich glaube es waren) 300L$ Taschengeld. Ab und an mal ein paar Objekte umsonst, von denen ich in den 3 Monaten kein einziges gebrauchen konnte, und live-Chat-Support. Kurzes Resumee: Nach den 3 Monaten habe ich den Premium-Account nicht verlängert, oder besser gesagt gekündigt, denn ich brauche ihn nicht. Land habe ich mittlerweile woanders gepachtet, und ich mache sowieso lieber Support-Tickets auf, statt live zu chatten bei Problemen und vom Support-Mitarbeiter eine große Bibliothek Antwort-Makros zu erhalten. Und das Taschengeld… zur Erinnerung: Derzeit sind 320L$ etwa ein Euro.

Aber trotzdem war es sehr gut, das Angebot angenommen zu haben, denn ich hatte direkt ab Beginn eine Zuflucht. Eine Basis quasi, wo ich mir Pläne überlegen konnte, Dinge ausprobieren, wo ich meine Ruhe hatte. Das war sehr viel wert.

Aus Aktualitätsgründen, überhaupt nicht zum Artikel passend: Der Kölner Rosenmontagszug auf dem Grid

Kurz vorab als Einschub: Wenn jemand mal anfangen will, und nicht gerade dieses billige Angebot wie bei mir existiert, kann ich gerne die andere Möglichkeit, nämlich das „an der Hand nehmen“ übernehmen. Einfach mich antickern, man findet mich (nochmal als Erinnerung) natürlich über die Suchfunktion oder den Link hier.

Andersrum: Wer nicht anfangen will, für den schreibe ich hier aber trotzdem auch. Viele meinten persönlich zu mir auf meine SL-Artikelreihe hier „Ja das ist aber nichts für mich“ und „Überzeugt hast Du mich nicht“. Jop, will ich auch gar nicht. Ich will niemanden bekehren. Ich will es bloß beschreiben, etwas näher bringen. Mit Gerüchten aufräumen und vor allem mit der großen Luftblase aufräumen, die Second Life am Anfang war, die mittlerweile handfeste virtuelle Realität zeigen, die es da zweifelsohne gibt und die erstaunlich gut funktioniert.

Schon lange hatte ich ja selbst von Second Life gehört, aber dank der Berichte und Infos, die ich kannte, eher einen abwertenden Blick dafür übrig gehabt. Und hätte ich nicht wieder mal WoW-Langeweile gehabt und kein anderes Spiel war zu der Zeit angesagt, hätte ich wahrscheinlich auch weiter mit diesem falschen Bild von SL gelebt, was sich mit der Zeit völlig oberflächlich gebildet hat. Und auch gerade jetzt im Nachhinein, wenn ich Artikel über SL lese, nachdem ich selbst in das Grid eingetaucht bin, kringeln sich mir manchmal die Fußnägel. Keiner ist total falsch, keiner schreibt völligen Müll, aber die meisten enthalten gefährliches Halbwissen und daraus folgend völlig falsche Schlüsse.

Es gibt einige Blogs, auf denen Leute ihre Erlebnisse in SL beschreiben, meistens wie eine Geschichte in Tagebuchform. Allerdings richten die sich an Leute, die bereits in SL sind, und sind somit für Außenstehende völlig sinnfrei. Da einfach Dinge, die für Leute auf dem Grid selbstverständlich sind, einfach benutzt und nicht weiter ausgeführt werden. Aber genau diese Zugangsbrücke benötigt jemand natürlich, wenn er oder sie noch nichts mit virtuellen Welten zu tun gehabt hat. Das fängt natürlich bei Fachbegriffen an, aber es geht weiter bis hin zu bestimmten Denkweisen, die sich natürlich aufgrund der dort völlig anders geltenden Umgebungsgesetze (in der echten Welt natürlich die Naturgesetze, die dort… hm… „manchmal“ gelten…) ergeben, die nicht unbedingt selbstverständlich sind. Auf der Erde fällt nunmal jeder Apfel nach unten. Auf dem Grid bleibt er eben erstmal in der Luft stehen.Wobei es natürlich auch in der virtuellen Welt Schwerkraft gibt, nur dass die etwas anders funktioniert. Und ich glaube auch nur David Copperfield hat die Objekteigenschaft in der stofflichen Welt gefunden, die für eine Mauer die Kollisionsabfrage abschaltet. Auf dem Grid macht man einfach ein Häkchen in den Kasten „Phantom“ bei den Eigenschaften der Mauer, und schon kann man in Las-Vegas-Magier-Manier hindurchschreiten. Wie Ihr am Bild seht, bedeutet die Jan Rouven Nummer keine sonderliche Herausforderung für Gridbewohner. Hm… wenn ich wirklich darüber nachdenke, ist das ein schlechtes Beispiel, weil es das in der echten Welt auch nicht ist… Aber trotzdem: Andere Welten, andere Gesetze, andere Gepflogenheiten.

Umso mehr macht mir diese Artikelreihe Spaß, bei der ich mich eben auch bewusst an Leute wende, die noch gar nichts mit einem virtuellen Leben zu tun gehabt haben. Natürlich bin ich nicht perfekt, auch ich ertappe mich manchmal, dass ich Dinge als selbstverständlich voraussetze, die alles andere als selbstverständlich sind. Und viel schlimmer sind die Dinge, bei denen ich mich nicht ertappe. Daher bitte gerne Feedback und Fragen, wenn ich selbst in eine solche Falle getapst sein sollte!

Bei drölfzighundert Avataren der perfekte Stresstest für Prozessor und Grafikkarte. Man beachte das perfekt auf SL passende Plakat auf dem Schuh zu den im Text erwähnten Meshes

Aber immerhin scheint es Dich lieber Leser ja wenigstens zu interessieren, sonst würdest Du das ja nicht lesen. Danke dafür!

Doch zurück zu dem, warum das Angebot mit dem Premium-Account so gut war bei mir.

Housing (=das Besitzen eines eigenen Heimes in einer virtuellen Welt und im Fortschreiten dessen Gestaltung) wird total überbewertet. Zumindest möchte man das meinen, wenn man sieht, wie wenige virtuelle Welten mit Housing daherkommen.

Der Pionier, also Ultima Online, hat es. Aber danach waren viele Entwickler wohl zu faul. Bei Blizzard redet man sich seit Jahren damit heraus, dass die Community ja gar nicht weiß, dass sie das nicht will (oder so ähnlich), obwohl viele danach schreien.

Aion hat es nicht, Star Trek Online hat es minimal. Eigentlich würden mir im Moment nur 2 nennenswerte virtuelle Welten neben Second Life mit Housing einfallen, das wäre Herr der Ringe Online, aber nicht seit Anfang an, und EVE als Sandboxspiel hat es natürlich auch de facto. Age of Conan… hm… ja, die haben sowas ähnliches. Läuft das mittlerweile?

Dabei ist dieses Element so wichtig, dass es viele Single-Player-Spiele ebenfalls haben, und da mutet es erstmal gar nicht als nötig an. Vom uralten Bard’s Tale, wo es die Taverne gab, zu der man immer wieder zurückgekehrt ist, bis zu Dragon Age, wo das eigene Lager mit den eigenen Gefährten nicht nur sich je nach Spielstand ändert, sondern auch in die Story eingebunden ist.

Wenn selbst Single-Player-Spiele Housing haben, ob es dann nicht vielleicht doch auch wichtig ist, Blizzard? Warum sitzt mein Paladin fast immer am Wagen neben der Bank in Ironforge, wenn ich ihn nicht aktiv spiele? Warum weiß jeder alt eingesessene auf Destromath, wessen Kachel die von Kedokosh ist? Nein Blizzard, Housing ist überhaupt nicht wichtig. Träumt weiter.

Aus einem völlig anderen Gebiet kommt mir das gerade: Meine allererste Fahrt in eine Jugendherberge ging nach Heppenheim. Dort in der Jugendherberge stand (keine Ahnung, ob das noch da steht, ist ja schließlich ein paar Eiszeiten her) an der Wand des Gemeinschaftsraumes: „Jeder Mensch braucht einen Ort, von dem er sagen kann, das ist mein.“ Aber Housing ist unwichtig Blizzard, Ihr habt schon Recht.

Zurück zum Premium-Account: Ich nahm das Angebot an und bekam die Information, dass sich mein Grundstück in der Region Kickapoo befindet, und siehe da:  Dort angekommen, lies sich die Tür von mir öffnen.

Das war ein sogenanntes „Linden Home“. Ein einfaches Haus, das exakt auf die 512m² passt, fertig aufgestellt, und ein bisschen Platz für die eigene Einrichtung. Das Haus ist eines von etwa 2 Dutzend verschiedenen Designs, die man für ein Linden Home auswählen kann. Je nach Design 1-3 Räume unterschiedlicher Größe, ein bisschen Garten eventuell. Ein Kamin, und ein paar Lampen. Abschließbare Tür, verdunkelbare Fenster. Also nichts bahnbrechendes, aber für den Anfang schonmal toll.

Ich bin bestimmt eine Stunde lang um das Haus drumherum gelaufen und habe Fenster auf und zu gemacht, Kamin aus und an, und und und. Aber ich wollte es mir gemütlich machen, und so hatte ich eben ganz plötzlich meine erste Motivation, was ich so in der Welt machen könnte. Also bin ich durch die Shops getingelt.

Viele Shops haben eine sogenannte Rezzing-Area. Da kann man seine gekauften Sachen auspacken und aufnehmen. Das ist wichtig, denn die Boxen, in denen die Dinge verkauft werden, sind meistens so nicht direkt benutzbar. Um aber solch eine Box zu öffnen, muss sie erst einmal in die Welt gebracht werden. Das darf man außer auf dem eigenen Land eben nur sehr selten.

Viele Pakete nach dem Einkauf

Aber ist es nicht auch im echten Leben viel schöner, nach einem laaaaangen Samstags-Shopping vollbepackt mit Tüten nach Hause zu kommen und dann zu Hause in Ruhe auszupacken und an-/auszuprobieren, statt dies direkt auf dem Marktplatz zwischen all den Leuten zu tun? Das ist im virtuellen Leben nicht anders, zumindest empfinde ich es so.

Beim Einrichten des Hauses lernte ich viel. Es ist sowieso die beste Methode, etwas herauszufinden, wie es funktioniert, indem man es einfach probiert. Für Leute, die natürlich Google und artverwandte Suchmaschinen nicht verwenden können, wird es allerdings schwer.

Man lernt dabei relativ schnell den wichtigsten Begriff, wenn man ein Stück Land bestücken will: Prim. Ein Prim ist grundsätzlich ein „primitive“. Also das simpelste, was man bauen kann. Quasi die Atome, aus denen das Grid zusammengesetzt ist, nur nicht ganz so klein. Das kann ein Würfel sein, eine Kugel, ein Torus oder ähnliches. Eben eine geometrische Grundform. Und Objekte sind aus diesen Prims zusammengesetzt. Soweit klar, denke ich.

Nun ist es so, dass man natürlich irgendwo Grenzen setzen muss beim Bebauen. Jedes Objekt verbraucht Rechenzeit auf dem Server und natürlich bei den Usern, die in der Gegend sind und für die das Objekt auf ihrem Bildschirm dargestellt wird. Daher gibt es eine Obergrenze an Prims in jeder Region, die genaue Rechnung und Erklärung interessiert jetzt hier natürlich nicht. Nur wichtig: Ein Linden Home mit 512m² hat Platz für genau 117 Prims. Und die sind schneller aufgebraucht, als ich dachte, stellte ich fest. Ein Gartentisch mit Schirm und Stühlen, ein Bett, eine Küchenzeile, ein Teppich und eine Couch. Dazu noch das Tron-Bike, das mir irgendwie so zuuuuufällig beim Shopping in den Einkaufswagen gefallen ist, und die Parzelle war voll.

Dachte ich.

Denn ich bin natürlich einfach durch die Shops gezogen, habe eingepackt, was nichts oder nur wenig gekostet hat, und mir nichts dabei gedacht.

Aber es gibt sehr krasse Qualitätsunterschiede. Damit möchte ich noch nichtmal ausdrücken, das es immer eine Preisfrage ist. Also dass man generell sagen könnte, je teurer, umso bessere Qualität. Das ist definitiv nicht der Fall. Es gibt viele sehr gute Gegenstände für 0L$, man muss sie nur finden, bzw. wissen, wie man nach ihnen suchen soll.

Bei Möbeln begründet sich diese Qualität eben nicht nur auf den Texturen, also der „Bemahlung“ der Oberfläche, sondern auch in der Gestaltung, bzw. Modellierung. Man kann mit den Prims nämlich so einiges machen. Das wichtigste nennt sich „sculpted prim„, also sowas wie ein geformtes Prim. Man kann sich das so vorstellen, dass man als Designer ein Prim formen kann, (fast) wie man möchte. So schaffen es gute Designer, ein Tablett mit einer Sektflasche und Gläsern in einem einzigen Prim unterzubringen. Das ist nicht leicht, und so baut der „nicht so gute“ Designer das mit einem Prim für das Tablett, eins für die Flasche, eins für den Korken, und für jedes Glas noch zwei. Das mit Sculpties (wie sculpted prims gerne genannt werden) zu machen spart natürlich gleich mal gerne die Hälfte an Prims oder gar weit mehr, wenn man auf so etwas bei der Einrichtung achtet. Aber dazu muss man es erstmal wissen natürlich.

Eine ähnliche Technik wie sculpted prims sind jetzt ganz aktuell Mesh-Objekte, aber das beherrscht noch nicht jeder Viewer, ist also noch nicht massenmarkttauglich, daher erwähne ich es nur kurz und weise auf das Wagenmotto auf dem einen Bild vom virtuellen Kölner Rosenmontagszug hin.

Ich habe weiter in Ruhe mit meinem kleinen Eigenheim herumexperimentiert und die Landeinstellungen gefunden. Hier kann man einen Stream und eine Mediendatei eintragen, die dann vom Viewer abgespielt werden.

Damit kann man doch… genau! Und so ist der erste Club Leenio entstanden. Ich schaute mich ein wenig nach einem DJ-Pult um und wurde fündig. Stolze paarundfünfzig Prims hatte das Ding. Aber es sah toll aus! Und so wurden die ersten Sendungen von Leenio sowohl die hauptsächlich redaktionellen Freitag-Abend-Sendungen als auch die musiklastigen Farmradios auf das Grid übertragen.

Eigentlich hätte ich das gar nicht gedurft, nur wusste ich das damals nicht. Nicht vom Stream her, keine Angst. Leenio ist absolut legal und voll lizenziert bei GEMA und GVL. Das Problem war vollständig virtueller Natur! Wobei einem die Problematik aus dem richtigen Leben durchaus bekannt vorkommen dürfte. Denn das war natürlich Wohnland, und damit darauf keine Clubs erlaubt. Dazu wäre Land nötig, welches als „commercial“ gekennzeichnet ist. Auf der anderen Seite war es doch erlaubt, denn außer mir und wenigen Leuten von Euch, deren Namen ich jetzt nicht nenne, die wir uns natürlich aus dem Real Life kennen, war da am Anfang sowieso keiner dabei auf dem Grid. Das juckt natürlich dann sowieso keinen.

Mit dem Haus hatte ich lange Zeit Spaß. Es ist einfach prima, wenn man sich zurückziehen kann, da in Ruhe experimentieren oder einfach nur rumchillen kann. Alleine, mit Freunden, mit Leuten, die einfach so vorbeikommen, oder die man einlädt.

Es muss nicht sein, klar. Second Life kann man ganz ohne dass man Land besitzt betreiben. Und ich dachte auch zuerst, dass ich kein Land brauche, und meinen Premium-Account sowieso wieder runterstufe. Aber immer mehr habe ich mich an ein „zu Hause“ in der virtuellen Welt gewöhnt, sodass ich mich einfach mal auf dem Landmarkt umschaute und schlau machte.

Ins Detail möchte ich hier jetzt auch nicht gehen, das ist unnötig. Als grober Überblick kann man sagen: Alles Land gehört Linden Labs, den Betreibern von Second Life. Gebt zu, ein wenig erstaunt Euch das jetzt! Nicht? Okay. Hatte ich nicht anders erwartet.

Es gibt aber insgesamt 2 Typen von Land. Da wäre zum Einen das Mainland, welches von Linden Labs sozusagen auf den Hauptkontinenten in mehr oder weniger kleinen und großen Parzellen an User verpachtet wird. Um Mainland überhaupt besitzen zu dürfen, benötigt man einen Premium-Account.

Zum Anderen sind dann da die sogenannten privaten Inseln, die etwas missverständlich im Namen sind. Es muss nämlich weder privat noch eine Insel sein, was man da dann vor sich hat.

Es handelt sich bei privaten Inseln einfach um Sims (Ihr erinnert Euch? Ein Gebiet von 256m*256m, was quasi einen Servertask darstellt vereinfacht gesagt (in Wirklichkeit können es zwischen 1 und 4 sein, aber das führt jetzt hier zu weit)), welche für einen User von Linden Labs auf den Linden Labs eigenen Servern aufgesetzt werden. Das ist ziemlich teuer. Alleine die Einrichtungskosten liegen schon bis zu knapp vierstellig. Und von der monatlichen Miete bezahlt mancher Student seine Bruchbude im Real Life.

Oben habe ich noch geschrieben, dass sich die 512m² eher wie 51m² anfühlen, hier muss man aber sagen, fühlen sich die 256m*256m tatsächlich wie diese Ausmaße an. Die Wahrnehmung ist da manchmal wirklich sehr interessant, wie schwer das Gehirn doch teilweise mit Größen umgehen kann.

Mikela Isle von oben

Für die Ländereien auf privaten Inseln haben sich verschiedene Modelle entwickelt.

Wer zu viel Geld im echten Leben hat, der nimmt sich natürlich eine eigene Sim. Oder gar mehrere. Lässt andere daran teilhaben oder nicht, das ist ihm natürlich völlig selbst überlassen. Wenn man eine Firma ist, die eine Dependence in der virtuellen Welt haben will, ist das natürlich Werbung für einen selbst. Wobei, Ihr wisst es bestimmt, dass Firmen *unbedingt* eine Filiale auf dem Grid haben müssen, hat sich als zweitgrößter Irrtum der New Economy herausgestellt. Der erste war natürlich die Größenwahnsinnigkeit, man hätte die Lizenz zum Geld drucken.

Es gibt natürlich Firmen, die sind auf dem Grid vertreten, die bieten dann aber dort auch Dienstleistungen an, betätigen sich also auch auf dem Grid. Eine Firma von draußen, aus der Welt der User (*muaha*), die Werbung für das Real Life macht, interessiert keine Sau auf dem Grid. Die Leute sind schließlich für ihr zweites Leben da, nicht für ihr erstes. Eine Firma, die zweigleisig fährt, wird allerdings durchaus viele Vorteile dort haben. Ein Beispiel: Wenn BMW da nur einen Salon für seine Automodelle hat, wird da keine Sau vorbeischauen und sich per Voice oder gar Chat beraten lassen. Wenn BMW aber in Second Life fahrbare Autos mit echtem BMW-Design baut und am besten noch einigen Specials, dann würden die ihnen mit Sicherheit abgekauft werden, und vielleicht erinnert sich der User des Avatars, der den BMW gekauft hat, beim nächsten Autokauf im echten Leben doch daran.

Ich muss zugeben, ich bin gerade überfragt, ob das bei BMW vielleicht sogar der Fall ist, aber ich habe noch nichts gefunden, und ich glaube gerade BMW war ein Beispiel für die erste Version, also dass man da einfach ein funktionsloses Beratungscenter hingestellt hat, bin mir da aber gerade nicht sicher. Das war nur ein Beispiel. Aber gesehen habe ich durchaus schon Converse (es kann nur eine Chucks-Firma geben…), Lonsdale und wenige andere.

Es sind gefühlt wirklich nur noch eine handvoll Firmen aus dem echten Leben, die auch in der virtuellen Welt eine Filiale haben. Eher findet man dagegen z.B. Volkshochschulen, Radiosender oder Museen, und von dieser Art Institutionen auch nicht wenige. Davon gibt es tatsächlich viele „echte“ auf dem Grid. Gerade in Sachen Kunst tummelt sich da einiges äußerst interessantes, nur habe ich zum Zeitpunkt des Artikelschreibens erst wenig davon gesehen und es rückt erst so langsam in mein Interessensblickfeld, daher erst in einem späteren Artikel mehr dazu.

Zum Glück scheint die Gridbevölkerung aber doch niveautechnisch zu hoch angesiedelt zu sein, daher findet man die „BILD“-Zeitung mit ihrem Gridprojekt, dem „AvaStar“, nicht mehr. Und das ist gut so. Nichtsdestotrotz gibt es ein deutsches Magazin, das „German Info Magazine – GIM“, was auch wirklich gut und interessant ist. Aber auch zu Publikationen in einem späteren Artikel mehr.

Zurück zum Land.

Als nächstes gibt es Sims, die sich durch das Gewerbe auf ihr tragen. Ein Club, dem eine Einkaufsmeile angeschlossen ist zum Beispiel. Oder durch Spenden finanzierte Sims, wie zum Beispiel das virtuelle Köln zum Teil soweit ich weiß. Auch gibt es Gruppenland, wo sich mehrere aus den unterschiedlichsten Gründen zusammentun und die Kosten teilen. Und selbstverständlich gibt es Leute, die ihre Sim(s) weiterverpachten.

Genau bei solchen Landverpächtern schaute ich mich also um. Es gibt da diverse, und auch genug schwarze Schafe. Man zahlt L$ Pacht an die Leute und darf das Land dann nutzen. Wenn man an ein schwarzes Schaf gerät, kann es durchaus passieren, dass man irgendwann ohne Land dasteht und das Geld weg ist. Natürlich kann man einen Abuse-Report erstellen, aber im allgemeinen sind die besagten Benutzer dann sowieso schon aus SL verbannt. Man sollte hier also darauf achten, dass ein entsprechender Landverpächter einen guten Leumund hat.

Solace Beach Estates

Fündig wurde ich dann schließlich bei Solace Beach, die mir gleich sehr sympathisch waren. Über 50 Sims gehören zu deren Territorium, und ich fand eine Parzelle, die so in etwa meinen Vorstellungen entsprach und auf der Sim „Mikela Isle“ lag.

Ach Du Scheiße, schon wieder weit über 3000 Wörter. ‚Tschuldigung! Okay, dann müssen meine Abenteuer auf Mikela Isle noch ein wenig warten. Denn eine Sache, die ich eingangs noch erwähnte, möchte ich auf jeden Fall wie anfangs angesprochen kurz noch unterbringen:

„aber ich würde mich ganz sicher nicht als Furry bezeichnen.“ habe ich noch letztes Mal geschrieben. Aber im Zuge dessen, dass ich ja extrem experimentierfreudig bin, könnt Ihr Euch denken, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich mal einen anthropomorphen Tieravatar ausprobiere.

Aus einem anfänglichen Freebie-Pack wurde ein Markenwolf (ja lacht nur, wie soll ich es denn sonst nennen *seufz*), und aus diesem mittlerweile ein Avatar-Mix aus insgesamt 4 verschiedenen Avataren mit obendrauf natürlich eigenen und handgemachten Modifikationen. Hach, ich Spielkind. Lego für Erwachsene, ich kann es nicht oft genug wiederholen. Sowas erwischt mich immer voll. Und wie ich aus Gesprächen mittlerweile herausgelesen habe, ist das absolut nichts ungewöhnliches in der Furry-Community, ganz im Gegenteil ist man gerade da sehr stark am Basteln und Modifizieren, um sich natürlich so einzigartig und featurereich wie möglich zu machen. Da habe ich also doch ohne es zu wissen gleich zu Beginn mal wieder alles richtig gemacht.

Der freie, der erste "richtige" und der vorerst fertige

Im Bild seht Ihr auch wieder wunderschön die Qualitätsunterschiede, die da herrschen können bis hin zum Avatar, den man nochmal „per Hand“ getuned hat.

„Was kann man denn an einem Avatar für Features haben?“ beantworte ich hier erstmal nur kurz, mehr dazu in einem späteren Artikel: Der Mund kann sich beim Sprechen (tippen im Chat) bewegen. Oder: wenn man ihm an die Nase greift, kann man diese zum Erröten bringen. Aber dazu wie gesagt in einem späteren Artikel mehr.

So werdet Ihr Euch mit Sicherheit also in baldiger Zukunft auf einen sehr flauschigen Artikel (Grüße, Casi!) aus der Welt der Fellpflege, Schnauzen, Tatzen, Pfoten und Krallen freuen dürfen. Vielleicht habe ich auch bis dahin herausbekommen, was der „Tail Sale“ im „International Yiff Center“ ist (Samstag, 10. März übrigens, falls jemand Lust drauf hat), wobei ich da schon so eine Vermutung habe.

Mein Interesse an dem Gor-Ding hingegen hat sich noch nicht geändert, und ich glaube auch nicht, dass sich das ändert. Wer also an richtig brutalem Rollenspiel interessiert ist, der wird wahrscheinlich hier nicht glücklich auf meinem Blog.

Wobei, den Anthro (anthropomorpher Tieravatar = Furry, so zur Erinnerung) habe ich ja auch ausprobiert, man soll niemals nie sagen. Obendrauf gefällt mir das durchaus sehr gut. Und ich muss zugeben, hauptsächlich mittlerweile so herumzulaufen (wobei das natürlich mit Sicherheit nicht „ausschließlich“ heißt). Auch wenn sich das jetzt merkwürdig anhört, schließlich hat man ja nur visuelles Feedback vom Monitor, aber es „fühlt“ sich wesentlich bequemer und vor allem verspielter an, als der Mensch.

So, 4K Worte schon lange geknackt. Jetzt aber Schluss. In der Hoffnung, dass es Euch Spaß gemacht hat und interessant war: Danke fürs Zulesen!

Part I

Part II

Part III

Part IV 

Part V

Part VI

 

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