Mal schauen, wieviele unqualifizierte Bemerkungen kommen, die den Unterschied zwischen “Mein Favorit” und “Von wem ich glaube, dass er gewinnen wird” kognitiv nicht ganz fassen können.
Aber das ist ein anderes Thema.
Die Staffel wird immer lustiger. Ganz abgesehen von der zwar zu erwartenden Anfuferstruktur, überrascht die Jury doch anscheinend mittlerweile auch das Votum der Zuschauer. Ein schauspielerisch grandioser Kopfhohlraumblick von Frau Eichinger (oder war das gar nicht gespielt?) zeigte, dass sich Herr Neumüller und Herr Bohlen langsam Gedanken machen müssen, ob der resultierende Superstar für wenigstens eine CD reichen wird, bevor er Supermärkte eröffnen darf. Denn auch ein Menowin ist keine sichere Burg, wenn sich die Anrufer, die für Talent anrufen, auf ihn und Mehrzad verteilen. Das könnte von den Bravo-Styling-Girls durchaus überboten werden.
Aber mal der Reihe nach.
Helmut: Tschjo, “Summer in the City”. Mit Joe Cocker kann man eigentlich nur verlieren, finde ich. Außerdem mag ich Helmut nicht, das sollte ja mittlerweile bekannt sein. Aber, ich muss sagen: Diesmal hat nicht er es verkackt, sondern die Band. Die war leider einen Großteil des Abends grauenvoll, was ich sonst nicht von ihr gewohnt bin. Die Leistung selbst von Helmut fand ich erstaunlich gut, dafür, dass ich normal immer auf ihm herumhacke. Er hat nicht probiert, Joe Cocker zu imitieren, sondern sein Ding durchgezogen. Das hat ihm natürlich eine kleine Bemerkung von Dieter eingebracht, von dem wir aber schon aus der letzten Staffel gewohnt sind, dass er sich nicht entscheiden kann, ob die Leute möglichst gut kopieren oder möglichst viel eigenes in ihre Interpretationen der Nummer hineinlegen sollen. Das macht er glaube ich eher an der Sympathie fest, je nachdem, wie er es braucht. Aber wirklich, Helmut hat mir dieses Mal gefallen. Keine Krachernummer, und vor allem hat er mit Sicherheit keine Chance auf den Sieg (das dürfte ihm aber klar sein), aber ich fands gut.
Nelson: “Summer Jam” war irgendwie nicht seine Nummer. So knapp an den richtigen Tönen verbeizuschliddern bin ich gar nicht von ihm gewohnt. Man hat ihm sichtlich die Unsicherheit angemerkt, die er wohl von der Kritik letzte Woche hinübergerettet hat. Nicht nur, dass das einfach kein Titel war, mit dem man den Leuten etwas zeigen kann (er ist schwer, aber wirkt trällerä), hat er es einfach versiebt, so leid es mir auch tut. Und wohl einzig Herr Bohlen hat das aus der Jury gehört, während die anderen das noch gut fanden. In einer Sendung später sagte Dieter “Hätte er Mambo Number 5 genommen, wäre er 100%ig weiter.” Und damit hat der Herr Bohlen meiner Meinung nach vollkommen Recht.
Manuel: “Lady” ist jetzt kein Titel, der mich vom Hocker reißt. Das sind für mich Titel, die ich auch nur kenne, weil sie andauernd irgendwo laufen, wofür wahrscheinlich irgendjemand bezahlt hat. Übrigens: Bei Leenio bezahlt kein Plattenkonzern, damit etwas gespielt wird! Den Titel selbst finde ich total unspannend, und so war auch leider sein Auftritt. Technisch hat Manuel alles richtig gemacht, ein guter Auftritt insofern. Ein Kritikpunkt: Seine Bewegung auf der Bühne. Das Lied heißt “Lady”, da steht eine Tänzerin auf der Bühne. Dann wäre da vielleicht ein bisschen mehr Interaktion gut.
Ines: “When Love takes over” ist jetzt keine leichte Nummer. Der Refrain war… okay. Also kann man so durchgehen lassen. Die Strophen waren nicht sooo gut. Da waren einige Töne aufgrund von Unsicherheit versemmelt. Auch hier wohl wie bei Nelson die Nachwirkungen der Kritik, meiner Meinung nach. Durchaus ihr bester Auftritt bislang, da kann ich mich der Jury anschließen, genauso dass sie dastand wie eine Salzsäule, um sich auf den Gesang zu konzentrieren. Aber das ist auch nicht schwer bei dem, was sie bislang abgeliefert hat. Ein Fass, in das man ein Glas Wasser kippt, ist auch voller, als ein leeres Fass. Aber noch lange nicht voll. Die Nummer im Recall, wo sie da im weißen Kleid gestanden hat, das war der Hammer. Und das war das letzte gute, was ich von ihr gehört habe. Hinzufügen muss man noch, dass ich auch hier die Band nicht ganz so gut fand, wie sonst.
Menowin: “Maria Maria” einwandfrei. Wie immer. Klar, man kann nicht jedes Mal eine Steigerung der Steigerung der Gänsehaut bringen. Selbst ein Michael Jackson hat das nicht geschafft, und es ist auch gar nicht notwendig, ein fortwährendes Crescendo zu bieten. Von daher: Super Nummer, perfekt “performed”, wie man das heute sagt. Mit einer Ausnahme: Wie bei Manuel. Es geht um Maria. Da ist eine Tänzerin auf der Bühne. Die lässt man nicht alleine stehen und ignoriert sie.
Kim: “La Isla Bonita” einfache Nummer, und trotzdem verkackt. Aber so weit abgeschlagen, da hätte man eigentlich schon während der Nummer den Stecker ziehen müssen, das tat WEH! Da hat ja kein einziger Ton gesessen, das war bitter. Auch nicht schön brav wie Nelson immer wieder in die gleiche Richtung daneben, sondern schön darum herumgetänzelt um die Heartline. Wenn sie eine Achterbahn wäre, wäre sogar mir schlecht geworden! Und ich habe immerhin schon mal eine Nacht im fahrenden Super Wirbel im Holiday-Park verbracht, und bin von daher schon einiges an Schlägen bei der Fahrt gewohnt. Erstaunlich, dass das in dieser Vehemenz auch nur Herr Bohlen aus der Jury gesehen hat.
Mehrzad: “Fresh” Ja geil. Weit weg von Xavier, eine völlig neue Erfahrung bei ihm. Fand ich super geil. Auch wenn der Titel wirkt wie eine Trällernummer, so hat er trotzdem transportiert, dass er ihn nicht einfach nur nachsingt, da kam einfach was an bei mir. Dazu die Choreographie mit den 2 Tänzern, die natürlich kein epileptisches Gezappele von irgendwelchen Teeny-Kreischern darstellte, sondern dezent und damit nicht zu viel war. Hat super gepasst, und er hats drauf gehabt. Hammer.
Thomas: “Mamacita” Ich muss mich ja mal outen, ich mag das Lied. Aber ich mochte auch “You’re my Heart, you’re my soul”. Und noch viel schlimmer, ich habe es sogar nicht nur einmal als DJ aufgelegt, aber jeder hat dunkle Seiten in seiner Vergangenheit. Zu Thomas jetzt: Ja gut, war solide. Hat gepasst. War jetzt auch nicht anders als Mark Medlock, was aber eher daran liegt, dass Dieter nicht sooo schwere Titel schreibt. Also wie gesagt: Solide, kein Ausreißer nach oben oder unten. Aber ein wenig Englischunterricht könnte der Checker noch nehmen, dann müsste er die Aussprache nicht so übertreiben, dass man merkt, dass er es eigentlich nicht so richtig kann. Aber mit einer Bohlennummer ist man da trotzdem auf dem richtigen Weg, denn der Meister selbst spricht ja fälschlicherweise das “w” bei “Love is such a lonely sword”, was total falsch ist. Wobei ich immer noch nicht herausgefunden habe, was denn Liebe mit einsamen Schwertern zu tun hat.
Für mich war ganz klar Kim raus. Aber es scheint doch genug Bravo-Schmink-Girlies zu geben, die für sie anrufen. Nelsons Rauswurf kam für mich total überraschend, ich glaube für die Jury auch. Erstaunlich. Ich dachte wirklich, die Anruferstuktur wäre ausreichend intelligent in der Masse, um nicht punktuelles zu honorieren oder zu bestrafen. Aber selbst wenn man es so beschränkt ansieht, war er nicht der schlechteste am Abend. Bleibt also nur der Vitamin-S als Begründung, und mit Sympatie konnte er vielleicht nicht bei den Kindern punkten, die ihre Prepaid-Rechnung nicht für einen absoluten Luxuskörper mit passender Stimme rauswerfen. Sei es drum, er war mein Favorit. Sexy und super Stimme, man kann ihm nur wünschen, dass er noch auf anderen Schienen eine Chance bekommt, was ja auch nicht das schlechteste sein soll, nicht Superstar zu werden. Wer war eigentlich nochmal dieser Daniel Schuhmacher?

